Aktuelle Presseinformation der Aidshilfe NRW

"Gesundheit und Überleben gibt es nicht zum Nulltarif!"
Aidshilfe NRW zum Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen

Köln, 18. Juli 2019 – Seit einigen Jahren sterben wieder mehr Menschen infolge ihres Drogenkonsums. Daran soll der Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen am 21. Juli erinnern. 2018 sind in NRW 240 Menschen an den Folgen des Konsums verstorben – das ist ein Plus von 18 Prozent im Vergleich zu 2017. Bundesweit blieb mit 1.276 Verstorbenen die Zahl knapp unverändert. "Die Aidshilfe NRW ist der Auffassung, dass durch bessere Präventionsangebote mancher Drogentod hätte verhindert werden können", so Patrik Maas, Landesgeschäftsführer der Aidshilfe NRW. "Wir fordern eine bessere finanzielle Ausstattung entsprechender Projekte. Sowohl in der aufsuchenden Arbeit, in Bereichen wie Beratung und Test oder der Konsumutensilienvergabe, als auch in einigen drogenpolitischen Initiativen wissen wir in der Sucht- und Drogenhilfe einen wichtigen Verbündeten und Partner", so Maas.

Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, wies in diesem Zusammenhang auf die gestiegenen Anforderungen an die kommunale Suchthilfe hin, die nicht durch Aufstockung der Zuschüsse gedeckt würden. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit, der Bundesverband von JES (Junkies – Ehemalige – Substituierte), die Deutsche Aidshilfe sowie akzept, der Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik, schließen sich dieser Kritik an. Ohne entsprechende kommunale Mittel können beispielsweise dringend erforderliche Beratungs- und Testangebote für HIV und Hepatitis C nach Ende der Modellphase nicht aufrechterhalten werden. Zudem gerät der dringend benötigte Ausbau eines ausdifferenzierten Hilfesystems ins Hintertreffen, vom niedrigschwelligen Angebot über aufsuchende Angebote bis hin zu neuen Beratungsangeboten für Konsument*innen neuer psychoaktiver Substanzen oder von Chemsex. Selbst erforderliche Fortbildungsangebote für Mitarbeiter*innen können aufgrund mangelnder finanzieller Mittel sowie einer dünnen Personaldecke vielfach nur im beschränkten Umfang stattfinden.

"Was Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und zur Schadensminimierung für Drogengebrauchende in NRW angeht, ist noch viel Luft nach oben", erläuterte Maas. "Zwar sind wir Spitzenreiter, was die Abdeckung mit Spritzenautomaten angeht, doch auch in der Hinsicht gibt es noch einige weiße Flecken auf der Landkarte. Das gleiche gilt für Drogenkonsumräume, die derzeit nur an zehn Standorten betrieben werden, und das mit meist ausbaufähigen Konsumplätzen und Öffnungszeiten. Andere Maßnahmen, wie etwa Drug Checking, das aktuell in Berlin in den Startlöchern steht, werden in NRW gar nicht erst diskutiert. Für diese und weitere Angebote, die Infektionskrankheiten, Überdosierungen und weitere mögliche Folgeschäden des Konsums verhindern können, bedarf es politischen Willens und ausreichender Finanzierung", so Maas. "Gesundheit und Überleben gibt es nicht zum Nulltarif!"

Seit 1998 wird der 21. Juli als Protest-, Aktions- und Trauertag begangen, um dem Gedenken an die vielen Drogentoten sowie den Gründen und Umständen, die zu ihrem Sterben geführt haben, öffentlich und mit medialer Beachtung Ausdruck zu verleihen. Über 150 Organisationen in mehr als 60 deutschen Städten beteiligen sich inzwischen mit Mahnwachen, Trauerfeiern, Musik- und Fachveranstaltungen sowie zusätzlichen Serviceangeboten. Auch in diesem Jahr finden in Nordrhein-Westfalen zahlreiche Veranstaltungen statt, unter anderem in Ahlen, Bonn, Duisburg, Düsseldorf, Emsdetten, Essen, Gütersloh, Hagen, Köln, Rheine, Unna und Wuppertal. 

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